Zuverlässig: Nahverkehrszüge sind auch im Landkreis Hildburghausen ein wichtiger und sicherer Zubringer und Heimbringer für Schüler. Für die Verkehrsunternehmen sind sie aber auch eine wichtige Finanzierungsquelle. Foto: P. Althaus
Einfahrender Zug der Erfuter Bahn in den Bahnhof von Hildburghausen

Eckdaten

Kreisstadt: Hildburghausen

 

Fläche: 937,4 km²

 

Einwohnerzahl: 66.307 (Stand 31.12.2010)

 

Bevölkerungsdichte: 71 Einwohner / km²

 

Höchster Punkt: ca. 981 m ü NN

 

Tiefster Punkt: ca. 360 m ü NN

 

Länge der Eisenbahnstrecken mit SPNV: 35 km

 

Anzahl Stationen mit SPNV 6

 

straßengebundene ÖPNV-Unternehmen im Landkreis:


  • „WerraBus“ (Veolia Verkehr GmbH),
  • weitere Unternehmen aus den Nachbarkreisen

    Mit Bus und Bahn im Autofahrerland überzeugen

    Wenn nur wenige Menschen in einem Gebiet leben, dann bedeutet das für Besucher oft Idylle und Ruhe. Touristen kommen extra deswegen in den Thüringer Wald. Für Verkehrsplaner ist die weitläufige, dünne Besiedlung dagegen purer Stress. Mit geringen Finanzmitteln muss der Verkehr möglichst flächendeckend bereitgestellt werden, um die Mobilität für alle zu gewährleisten. In Hildburghausen, Thüringens Landkreis mit der geringsten Bevölkerungsdichte, bleiben die Verkehrsplaner am Ball.

    Wenn andere Thüringer Landkreise sich über den Bevölkerungsrückgang und die Folgen des demographischen Wandels beklagen, kann Mario Heyer nur müde lächeln. „Bei den anderen wandern die Leute ab. Bei uns waren nie welche da“, sagt der Leiter des Amtes für Kultur und Schule des Landkreises Hildburghausen. Hildburghausen, das ist Thüringens Kreis mit der geringsten Bevölkerungsdichte. 70 Menschen teilen sich hier einen Quadratkilometer. In Jena hingegen sind es fast 1000. Doch auch diese 70 wollen befördert werden. „Wir haben sehr wenige Fahrgäste auf jeden Fahrkilometer. Das ist teuer. Wir kämpfen hier im Autofahrerland“, sagt er. Grund sei auch die nahe ehemalige innerdeutsche Grenze. „Viele Bürger aus dem Kreis pendeln zu Unternehmen nach Bayern“, so Heyer. Doch die Not macht in Hildburghausen erfinderisch. Und so ist der Kreis Vorbild für ganz Thüringen: „Im Raum Hildburghausen dient die Süd-Thüringen-Bahn (STB) auf der Strecke zwischen Eisfeld und Hildburghausen und zwischen Themar und Hildburghausen dem Schülerverkehr. Dadurch braucht der Landkreis dort keine Busse parallel zur Bahnstrecke einzusetzen. Das ist thüringenweit beispielgebend“, bestätigt Fachbereichsleiter Sebastian Wauer von der NVS - Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen. Die Süd-Thüringen-Bahn (STB) betreibt die Züge zwischen Eisenach und Eisfeld auf der Werrabahn. Sie verkehren stündlich. Alle zwei Stunden fährt die STB sogar weiter bis Neuhaus am Rennweg über die Kreisstadt des Nachbarkreises Sonneberg. Zu den Stoßzeiten des Schülerverkehrs fährt die Bahn zwischen Themar, Eisfeld und Hildburghausen sogar halbstündlich. In Grimmenthal besteht eine Umstiegsmöglichkeit von der STB zu den RegionalExpress-Zügen der DB Regio nach Würzburg und Schweinfurt und in der Gegenrichtung zur STB nach Erfurt. Bei den Anschlüssen in diese Richtung müssen die Reisenden jedoch derzeit noch Wartezeiten von bis zu 20 Minuten in Kauf nehmen. Auch beim Busverkehr ist Hildburghausen bisher einzigartig. Nachdem eine europaweite Ausschreibung stattgefunden hatte, gibt es mittlerweile in Hildburghausen nur noch eine Busfirma. Die unter dem Namen Werrabus operierende Veolia Verkehrsgesellschaft organisiert als Auftragnehmer den Verkehr für den Landkreis. Die Südthüringer Busgesellschaft vereint vier private Busfirmen und stellt die Fahrzeuge für die Fahrten. „Veolia hat das günstigste Angebot abgegeben“, sagt Mario Heyer. Zuvor war der bisherige Auftragnehmer, die Linienverkehrskooperation (LVK), in die Insolvenz gegangen. Nun sei alles wieder geregelt. Die Busse fahren wieder pünktlich. Die Busflotte wird zudem verjüngt. Drei neue Niederflurbusse seien bestellt. Eine Buslinie hat als Verkehrsachse eine ganz besondere Bedeutung, so Heyer. „Die meisten Fahrgäste verzeichnen wir auf der Linie 200 Hildburghausen – Schleusingen – Suhl. Viele Leute von hier fahren zum Einkaufen dorthin, wollen in das Klinikum nach Suhl oder von der ehemaligen Waffenstadt weiter nach Erfurt. „Wochentags verkehrt die Linie 200 im Stundentakt. Sie ist sowohl an die Züge der STB in Hildburghausen, als auch an die Züge von Suhl Richtung Erfurt angebunden und somit auch an die dortigen Fernverkehrsverbindungen. In Hildburghausen befindet sich der moderne Busbahnhof sogar direkt neben dem Bahnhof. Auch in Themar liegen die beiden Verkehrsträger in unmittelbarer Nachbarschaft für bequeme Verknüpfungen im ÖPNV. Der Umstieg von Bahn auf Bus und umgekehrt ist derzeit noch ein Problem in Eisfeld. Dort liegt die zentrale Bushaltestelle weit entfernt vom Bahnhof. Abhilfe ist in Sicht. „Wir freuen uns über den Baustart am Bahnhof Eisfeld“, sagt Mario Heyer. Mit Baubeginn im Juni entsteht derzeit ein neuer Verknüpfungspunkt. Dann sollen auch die Busse besser an den Bahnhof in Eisfeld gelangen. Bisher haben nur wenige Fahrzeuge dort gehalten. Eisfeld selbst soll so noch besser als Knotenpunkt für Busse aus und in die Region Coburg im benachbarten Bayern fungieren. „Wir wollen einen noch besseren Übergang von den Bussen von dort in Richtung Thüringer Wald und umgekehrt ermöglichen“. Die Zusammenarbeit mit Coburg sei gut. Ein Problem sieht Heyer derzeit jedoch noch: „Wegen der unterschiedlichen Bundesländer ist es schwierig, hier gemeinsame Konzepte zu entwickeln. Wir würden uns aber zumindest eine gegenseitige Fahrscheinanerkennung wünschen.“ Apropos Fahrscheine: Die sind im Landkreis bisher oft noch von Hand ausgestellt. In Hildburghausen verfügt seit der Insolvenz der LVK keiner der Busse mehr über einen Fahrscheindrucker. „Das wird für unsere kleine Busflotte von 50 Fahrzeugen allein 400 000 Euro kosten“, so Heyer. Eine europaweite Ausschreibung laufe bereits. Drei Viertel des Anschaffungspreises werden vom Freistaat Thüringen gefördert. Ausbaubedarf sieht der Landkreis selbst noch bei den Verbindungen in die Kurorte. „Die Skifahrer, die Richtung Masserberg unterwegs sind, nutzen bisher meist das Auto“, sagt Heyer. Nach Bad Colberg – Heldburg fährt die Linie 217. Am Sonnabendvormittag und in den frühen Morgenstunden der Wochentage verkehrt sie als Rufbus. Somit können Gäste in Hildburghausen auch jetzt schon die Veste Heldburg an allen Tagen erreichen, wo derzeit das Deutsche Burgenmuseum errichtet wird. Solche Maßnahmen können aber nur ein Anfang sein.