[ Zum Schwerpunktearchiv ]

Winter in Thringen: kaltgestellte Zge?


So schn verschneite Landschaften sind – dem Schneefall zu trotzen, ist fr die Betreiber im Zugverkehr eine zustzliche und anspruchsvolle Aufgabe. In der Klte warten Fahrgste fter als sonst auf versptete Zge. RegioTakte analysiert, wie Thringens Schienenverkehr mit der aktuellen Situation klarkommt.

 
Der jetzige Winter hat Deutschland in seinem kalten Griff: Insgesamt gab es mehr Schnee, der zum einen auch im Flachland stark fiel und zum anderen lnger liegen blieb. Tief „Daisy“ hielt z. B. ab der zweiten Januarwoche eisigen Einzug und die Thringer Allgemeine meldete fr die Nacht vom 26. Januar zweistellige Klterekorde im Freistaat, besonders im Ilmkreis mit minus 20 Grad. Tglich gibt es Medienberichte zu annullierten oder verspteten Flgen, Unfllen und kilometerlangen Staus auf den Straen.
 
Auch beim Schienenpersonennahverkehr (SPNV) machte sich der Winter bemerkbar und hatte Versptungen sowie einige Ausflle zur Folge. Allein am „Daisy-Wochenende“ mussten Strecken in Nordthringen zeitweise gesperrt werden, damit Schneerumkrfte die Gleise vom vielen Neuschnee freimachen konnten. Durch Schneeverwehungen und die kurzfristigen Streckensperrungen verspteten sich ber 100 Zge um mehr als fnf Minuten. Hinzu kam die Unpnktlichkeit im Fernverkehr und demzufolge eine schlechte Anschlussgewhrung. Zudem zwang mancherorts die erhhte Schneebruchgefahr die Zge zu niedrigeren Fahrgeschwindigkeiten.



Nicht berall in Thringen waren die Zge pnktlich und fuhren mit ausreichend Kapazitt


In Thringen ist die Gleisrumung grundlegende Aufgabe der DB Netz AG sowie der Thringer Eisenbahn GmbH. Groes winterliches Problem bei extrem niedrigen Temperaturen waren bislang die Weichen, die trotz meist vorhandener Heizeinrichtungen festfrieren. Das Auftauen bernehmen dann Schneerumkrfte per Hand. Allein die Anfahrt zum jeweiligen Einsatzort fhrte so schon zu Verzgerungen im Fahrplan. Weitestgehend reibungslos verliefen nach Angabe der DB Station & Service AG hingegen die Rum- und Streueinstze an Bahnsteigen und ihren Zugngen.
 
rgerlich ist es fr den Fahrgast, wenn Zge Versptungen haben oder ganz ausfallen mssen, weil die Technik der Fahrzeuge bei starkem Frost versagt. Eingefrorene Tren, vereiste Kupplungen oder der Ausfall der Heizung sind Folgen, denen die Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) frhzeitig durch entsprechende Vorbereitung und Wartung entgegenwirken mssen. Wenn es dennoch zu Ausfllen und Verzgerungen kommt, ist es wichtig, diese unbedingt dem Fahrgast mitzuteilen und mglichst zu begrnden. Leider war das auf vielen Bahnhfen Thringens nur in ungengender Form oder gar nicht der Fall: So kam es vor, dass Fahrgste erst nach zwanzig Minuten am Bahnsteig erfahren haben, dass ihr Zug komplett entfllt. Auf vielen kleinen Stationen, die nicht ber Durchsage- oder Anzeigetechnik verfgen, konnten die wartenden Fahrgste ber Versptungen oder Ausfall gar nicht informiert werden.
 

Allein aufgrund der Streckenlage sind die auftretenden winterbedingten Probleme bei den EVUs Thringens sehr verschieden. „In einer Region um 700 Meter ber Null haben wir gelernt, mit starkem Schneefall umzugehen“, gibt beispielsweise die Oberweibacher Berg- und Schwarzatalbahn an, die ber einen hauseigenen Schneepflug fr Flachstrecken verfgt (siehe Foto). Auch fr die Harzer Schmalspurbahnen ist dieser Winter „bislang ein ganz normaler Winter“. Wie unterschiedlich die Reaktionen auf die Wetterlage im Einzelnen sind und welche zustzliche Manahmen ergriffen werden, zeigt unsere bersicht.




Aus Sicht der Eisenbahnverkehrsunternehmen

 
Winterbedingte Strungen, die den Bahnbetrieb beeintrchtigten:
Fahrzeuge: eingefrorene Luftleitungen, Strung der Fahrzeugelektronik, Trstrungen, Heizungsausflle, vereiste Kupplungen
Strecken: Behinderungen beziehungsweise Sperrungen durch Schneeverwehungen und Eisbildung, Weichenstrungen, vereiste Oberleitungen, umgestrzte Bume / herabhngendes Astwerk (Schneelast)
 












































Aus Sicht der Fahrgste


Der Manahmenkatalog gegen Frost und Schneefall seitens der Verantwortlichen ist umfangreich. Doch wie haben Sie als Fahrgast den Wintereinbruch auf Thringens Schienen erlebt? Waren Sie mit Angebot und Service zufrieden? Wir haben uns auf den Thringer Bahnhfen umgehrt.
 

Julia Winkler, 26 Jahre, Jena
„Dass es im Winter kalt wird und Weichen einfrieren knnen, sollte bei der Deutschen Bahn bekannt sein. Wenn Zge versptet oder gar nicht kommen, fehlen die Durchsagen wie und ob es weitergeht.“
 

Lisa Hbner, 22 Jahre, Saalfeld

„Ich fahre seit zwei Jahren regelmig mit der Bahn. Im Winter kommen die Zge sehr oft zu spt. In den modernen Zgen ist es immer viel zu kalt. Selbst wenn die Zge wie so oft berfllt sind, wird es nicht richtig warm.“
 



Katharina Utrecht, 13 Jahre, Eisenach

„Ich fahre zwei Mal pro Woche mit der Bahn von Eisenach nach Erfurt und zurck. Der Zug versptet sich sehr hufig, so dass ich dann den Anschluss an die Straenbahn verpasse.“
 


Florian Frhlich, 17 Jahre, Jena
„Ich fahre jeden Tag die Strecke Jena – Weimar und im Winter waren die Zge oft unpnktlich. So musste ich in der Klte warten, was bei den Temperaturen nicht so schn ist.“
 
Christian Scharmberg, 33 Jahre, Immelborn
„Momentan fahre ich zweimal pro Woche von Immelborn nach Eisenach und zurck. Mit der Pnktlichkeit der Zge bin ich sehr zufrieden. Nur die Abstnde zwischen den Sitzen knnten etwas grer sein.“
 


Michael Raudies, 49 Jahre, Apolda
„Ich fahre jeden Tag von Apolda nach Erfurt und zurck. Ich sehe die Bahn als ein zuverlssiges Verkehrsmittel, das immer fhrt, auch im Winter. Mit Verzgerungen zwischen fnf und zehn Minuten habe ich kein Problem. Der Service in den Regionalzgen hat sich zunehmend verbessert.“

 
Werner Khndorf, 73 Jahre, Jena
„Ich fahre nicht regelmig mit der Bahn, meistens nach Weimar oder Erfurt. Von Problemen oder Versptungen habe ich nichts gemerkt, ich bin mit der Zuverlssigkeit zufrieden.”


(Fotos: Erfurter Bahn, Oberweibacher Berg- und Schwarzatalbahn / M. Ehrlich, Heimrich & Hannot GmbH)