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In zweieinhalb Stunden von Nordhausen nach Nürnberg


Mit dem geplanten Ausbau der Strecke zwischen Nordhausen und Erfurt sollen mehr Fahrgäste gewonnen werden. Berufspendler in die Landeshauptstadt Erfurt können künftig mit geringeren Reisezeiten und Weiterreisende nach Franken und Hessen mit besseren Anschlüssen rechnen.


Mit dem geplanten Ausbau der Strecke zwischen Nordhausen und Erfurt sollen mehr Fahrgäste gewonnen werden. Berufspendler in die Landeshauptstadt Erfurt können künftig mit geringeren Reisezeiten und Weiterreisende nach Franken und Hessen mit besseren Anschlüssen rechnen. Wer heute mit den Nahverkehrszügen von Erfurt nach Sondershausen oder Nordhausen fährt und aufmerksam aus dem Fenster sieht, wird an fast allen Stellen der Strecke noch das nostalgische Flair längst vergangener Zeiten erleben. Ein markantes Zeichen dafür sind die Flügelsignale, die die Fahrt der modernen Triebwagen sichern.

In den kommenden Jahren soll sich das Bild der Strecke verändern, der Abschnitt von Erfurt bis zum Abzweig bei Wolkramshausen wird grundhaft erneuert und ausgebaut. Dank der damit zusammenhängenden Geschwindigkeitserhöhung auf 120 km / h werden sich die Fahrzeiten deutlich verkürzen. Oberstes Ziel des Projekts ist eine Reisezeit von Nordhausen nach Erfurt von unter einer Stunde.


 


Der nostalgische Winterschlaf der Infrastruktur, wie er z. B. noch am Bahnhof Sondershausen auf der Strecke Nordhausen – Erfurt herrscht, soll künftig beendet werden



Heiße Planungsphase


Zusammen mit der NVS – Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen mbH plant die DB Netz AG, der Betreiber dieses Schienenweges, derzeit die konkreten Ausbaumaßnahmen der Strecke von Nordhausen über Sondershausen, die Hainleiten-Region und Greußen nach Erfurt. Vorbereitend ist im vorigen Jahr ein Betriebskonzept für die nächsten Jahrzehnte von einem Dresdner Ingenieurbüro in enger Abstimmung mit der NVS und der DB Netz erstellt worden. Hierbei wurden alle sinnvollen Varianten des zukünftigen Verkehrs auf dieser und den angrenzenden Strecken sowie im ICEKnoten Erfurt untersucht, vor allem nach Inbetriebnahme der Neubaustrecke Leipzig – Erfurt – Nürnberg. „Die Anschlüsse nach Nürnberg, München und Frankfurt am Main hatten dabei für uns oberste Priorität, aber auch die Verkehre in Richtung Süd- und Ostthüringen sowie Mühlhausen, Kassel und Göttingen mussten wir berücksichtigen“, erläutert der Dresdner Fahrplaningenieur Vasco Paul Kolmorgen. Dabei durfte nicht nur der heutige Fahrplan der Nahverkehrszüge zugrunde gelegt werden, da sich Anschlüsse und Fahrzeiten bis zur Inbetriebnahme der Strecke stark verändern können. „Zudem muss der Anschluss nach München auch klappen, wenn sich im gesamtdeutschen Fernverkehrsfahrplan etwas verändert.“ Der künftige Betreiber der Zugleistungen auf der Nordhausen-Erfurter Eisenbahn und auf weiteren Strecken in Nordthüringen wird in einer europaweiten Ausschreibung ab Ende 2010 ermittelt und den Betrieb im Dezember 2013 aufnehmen.



In den nun folgenden Planungsschritten versuchen die Beteiligten, die Infrastruktur, also die Gleise, Weichen und sicherungstechnischen Anlagen, an die Anforderungen der dann zu fahrenden Fahrplanvarianten anzupassen und gleichzeitig möglichst sparsam zu bauen. Dieser Spagat ist besonders bedeutsam, da der eigentlich simpel erscheinende Einbau eines neuen Gleises von der Idee bis zu Realisierung mehrere Jahre dauert und auch mehrere Millionen Euro kostet. Gleichzeitig sind die Mittel des Bundes für den Ausbau der Regional- strecken sehr knapp, so dass eine sorgfältige und vorausschauende Planung hier besonders wichtig ist.


Erste Ergebnisse liegen bereits vor

Greußen wird zum Begegnungspunkt der stündlichen schnellen Züge Erfurt – Nordhausen und bietet damit optimale Voraussetzungen, um als Schnittpunkt zwischen Bus- und Zugverkehr in der Hainleiten- Region zu wirken. Der Bahnhof Kühnhausen erhält die technischen Voraussetzungen zum Zusammenkuppeln der Züge aus Richtung Bad Langensalza und Greußen. In Sondershausen wird der Hausbahnsteig wieder in Betrieb genommen, womit das Einsteigen in die Expresszüge nach Erfurt auch für Väter und Mütter mit Kinderwagen oder für Rollstuhlfahrer einfach möglich wird. Zusammen mit der Reisezeitverkürzung und dem neuen Fahrplankonzept erwartet die NVS somit deutlich mehr Fahrgäste in der Region.

Bis zur Betriebsaufnahme Ende 2013 soll nach heutigem Stand der Abschnitt Wolkramshausen – Sondershausen fertig ausgebaut sein. Der Umbau der anderen Abschnitte in Richtung Erfurt folgt dann ab 2014. Seitens der NVS wird dabei darauf geachtet, dass die Beeinträchtigungen für die Fahrgäste so gering wie nötig ausfallen und Ersatzkonzepte wie Busverkehre so einfach wie möglich gestaltet werden.

„Wir werden versuchen, Bauarbeiten in die Schulferien zu legen und gleichzeitig als Kompaktsperrung zu planen, um unseren Fahrgästen einen jahrelangen, wechselnden Schienenersatzverkehr zu ersparen“, sagt Thomas Grewing, Leiter der Abteilung Infrastruktur der NVS. „Je nach Verfügbarkeit der Finanzmittel, dem Erreichen des Planrechts und den möglichen Bau- und Schienenersatzverkehrskonzepten wollen wir aber bis zur Eröffnung der Neubaustrecke nach Nürnberg den Gesamtausbau auf jeden Fall fertigstellen“, ergänzt Sandro Zimmermann, der Leitende Planer der Regionalnetze Südost der DB Netz AG.













Aus alt mach neu: Alte Signalanlagen, wie hier in Hohenebra, werden nach und nach modernisiert


Ab der Inbetriebnahme der Neubaustrecke von Thüringen nach Franken wird man daher in knapp zweieinhalb Stunden von Nordhausen nach Nürnberg reisen können – auch dank dem Ausbau der Strecke Nordhausen – Erfurt.

(Fotos: Dirk Bräuer, Benjamin Schemala)